Schrittnaht und Fake-Schlitz einer Hose naehen #Z05
Wie ich eine Schrittnaht mit Fake-Schlitz bei einer Hose mit Gummibund und bereits geschlossenen Beinnähten nähe, erkläre ich euch in der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung. Der Fake-Schlitz ist modellabhängig und nicht bei allen Schnittmustern enthalten.
Ich wünsche euch viel Spaß!
1. Das wird benötigt:

- beide Hosenbeine, bei denen die Beinnähte bereits geschlossen und Taschen eingearbeitet sind
- Schablone für die Schlitzsteppung bei einem Fake-Schlitz
Werkzeuge und Hilfsmittel:
- Stecknadeln oder Clips
- Handarbeitsschere
- Kreide oder Markierstift
- Lineal

Wundert euch nicht, wenn eure Teile etwas anders aussehen – das kann je nach Hosenmodell variieren. Bei meinem Vorderteil ist zum Beispiel ein Futter eingearbeitet.

Hat euer Vorderteil keinen angeschnittenen Beleg, ist es für eine Variante ohne Fake-Schlitz.
Sieht euer Schnittmuster einen Beleg für den Fake-Schlitz vor, ihr möchtet aber keinen, könnt ihr ihn einfach wegschneiden, so dass nur eine Nahtzugabe stehen bleibt. Diese sollte dann die gleiche Breite haben, wie die übrige Schrittnaht.
Wenn ihr die Schrittnaht nach dem Zusammennähen auseinanderbügeln möchtet, werden die Schnittkanten an beiden Hosenbeinen jetzt einzeln versäubert.
Möchtet ihr die Nahtzugaben zu einer Seite bügeln und die Naht übersteppen, könnt ihr die Schnittkanten nach dem Zusammennähen gemeinsam versäubern.
2. Schrittnaht vorbereiten

Ich lege nun das rechte Hosenbein mit der linken Stoffseite nach oben vor mich hin. An der Oberkante der hinteren Mitte markiere ich mir am Knips den Nahtabstand zur Schnittkante.
Bei der Variante mit angeschnittenem Beleg markiere ich die vordere Mitte. Den Abstand zur vorderen Kante erkennt ihr am oberen Knips oder könnt ihn im Schnittmuster nachmessen. Ich zeichne die vordere Mitte parallel zur Belegkante an.
3. Fake-Schlitz markieren

Den Fakeschlitz könnt ihr auf verschiedene Arten verarbeiten:
Entweder steppt man direkt in der eben markierten vorderen Mitte zusammen…

… oder man steppt versetzt, so dass der Eindruck eines echten Schlitzes entsteht. Wie ich das mache, zeige ich euch jetzt.

Ich lege ich die Schlitzschablone an der vorderen Mitte an und markiere mir den unteren und den oberen Knips.
Wenn ihr eine Hose mit angeschnittenem Bund näht, liegt der obere Knips etwas weiter von der Oberkante entfernt. Bei einem angesetzten Bund hat er nur einen Abstand von etwa 1 cm.
4. Hosenbeine ineinander legen

Nun werden die beiden Hosenteile rechts auf rechts ineinandergelegt. Dazu schiebe ich das linke, auf rechts gewendete Hosenbein in das rechte.

Die inneren Beinnähte treffen in der Schrittkurve rechts auf rechts genau aufeinander – dort stecke ich zuerst fest. Auch an der Gesäßnaht sowie an der vorderen Kante stecke ich die Teile bündig zusammen.

Hier seht ihr den eingezeichneten Nahtverlauf für einen Fake-Schlitz, der wie ein echter Schlitz aussieht, also nicht genau in der vorderen Mitte genäht wird. In diesem Beispiel bekommt die Hose einen angesetzten Bund.

Hat eure Hose einen angeschnittenen Bund, sieht der Verlauf des Fake-Schlitzes, der wie ein echter Schlitz wirkt, so aus.
5. Schrittnaht und Fake-Schlitz nähen
Achtet nun beim Nähen auf einen harmonischen Nahtverlauf und darauf, dass die Nahtzugaben der inneren Beinnaht ganz glatt liegen und nicht verzogen werden. Wenn hier unsauber gearbeitet wird, können im Schrittbereich unerwünschte Falten oder Spannungen entstehen.

Ich nähe den Fake-Schlitz, wie oben erwähnt, etwas versetzt zur vorderen Mitte. Der Abstand zur vorderen Mitte beträgt hier im Beispiel 8 mm.

Beim entsprechenden Knips nähe ich wieder Richtung vorderer Mitte…

… und anschließend bis zur oberen Kante.

So sieht die vordere Naht bei einer Hose ohne Fake-Schlitz aus.
Schrittkurve bügeln und Nahtzugaben dehnen

Die Nahtzugabe in der unteren Schrittkurve dehne ich durch Bügeln, damit es hier später keine Spannungen gibt.

Achtet darauf, dass dabei nur die Nahtzugaben gedehnt werden, nicht die Naht selbst.

Da meine Schrittnaht nicht übersteppt werden soll, bügle ich die hintere Mitte von oben bis zum Beginn der Schrittkurve auseinander. Bei einer Hose ohne Fake-Schlitz wiederhole ich den Schritt an der vorderen Mitte. Im Bereich der Schrittkurve werden die Nahtzugaben zu einer Seite gebügelt.
Bekommt eure Hose keinen Fake-Schlitz, könnt ihr auf Wunsch die Schrittnaht noch übersteppen und seid dann fertig.
6. Fake-Schlitz fertigstellen

Bei einem Fake-Schlitz bügle ich die Belege auf die Seite, auf der später die Schlitzsteppung liegen soll – bei mir ist das die rechte Seite.

Anschließend wende ich die Hose auf die rechte Seite.

Um die Steppung für den Fake-Schlitz anzuzeichnen, lege ich die Hose mit der vorderen Mitte auf mein Ärmelbrett.

Ich lege die Schlitzschablone auf die Seite der Hose, auf der ich absteppen möchte und zu der ich auch den Schlitzbeleg gebügelt habe. Die Schablone liegt an Oberkante und vorderer Mitte bündig an.

Ich zeichne den Verlauf der Schlitzsteppung auf der Vorderhose an.

Bei einem angeschnittenen Bund übertrage ich auch die obere Markierung der Schlitzschablone auf den Stoff. Die Schlitzsteppung beginnt dann an dieser Markierung; bei einem angesetzten Bund beginne ich an der oberen Kante.

Ich stecke die Belege durch das Vorderteil hindurch fest, damit ich beim Absteppen alle Stofflagen mitfasse.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr am Schlitzende noch einen Quer- oder Längsriegel in Form eines engen Zickzackstiches machen, aber das ist Geschmackssache.

Und so sieht die fertige Schrittnaht mit Fake-Schlitz aus.
Weiter geht’s mit dem Bund. Wählt dazu die für eure Variante passende Anleitung, die in eurem PDF-Dokument verlinkt ist.
Falls ihr noch nicht so weit seid und vielleicht ganz vorn anfangen wollt, findet ihr hier noch einige Links:
